„Sharity“ statt „Charity“ – Ketaaketi – Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Nepal, Sierra Leone, Burundi. Über 4200 Familien bauten sich mithilfe von Mikrofinanzierung eine Existenz auf. 17.500 Kindern können nun zur Schule gehen. Das Motto von Ketaaketi lautet:„Sharity“ statt „Charity“. „Wir wollen weg von diesem Nehmer und Geber-Denken! Wir wollen eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe!“ Wir haben ein Interview mit Susanne im Sande, der stellvertretenden Vorsitzenden von Ketaaketi geführt.

2007 wurde der gemeinnützige eingetragene Verein Ketaaketi von Anneli-Sofia Räcker gegründet. Der Verein erhielt den Nachhaltigkeitspreis „Dekade Projekt-Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“. In Nepal, Sierra Leone und Burundi wurde 17.500 Kindern bereits zu Bildung verholfen. Diese Zahl setzt sich aus den Kindern der Social Classes (Eingewöhnungsklassen) und der Finanzierung der Schulkleidung und der Schulutensilien zusammen. Dazu kommen zusätzlich noch 4200 Familien, die Mikrofinanzierung erhalten und dadurch ihre Kinder zur Schule schicken können.

Foto: Susanne im Sande; mit freundlicher Genehmigung

In Norddeutschland gibt es 6 Partnerschulen, die durch Spenden den Verein unterstützen. Außerdem gibt es auch noch Spenden von einzelnen Schulklassen, oder ganzen Jahrgängen. Spendengelder sind die Haupteinnahmequelle. Hinzu kommen noch Stiftungen (diese enthalten höhere Geldbeträge, als Spenden). Die Vereinsmitglieder zahlen alle einen Mitgliedsbeitrag. KETAAKETI hat den Grundsatz, dass alle Spenden in die Projekte fließen. Deshalb zahlen die aktiven KETAAKETI Mitarbeiter/innen alle anfallenden Kosten, z.B. für Flyer oder auch für Reisen in die Projekte, selbst.

In Nepal wurden die ersten Projekte von Ketaaketi umgesetzt. Danach startete Ketaaketi auch Projekte in Sierra Leone und Burundi. Weitere Länder sind in der Registrierungsphase. Es gibt bestimmte Auflagen die das Land erfüllen muss, bevor dort Projekte gestartet werden:

  • Es muss sich um ein armes Land handeln.(Es gibt quasi ein Ranking, welches das ärmste Land ist.)
  • Zusätzlich muss es sich um ein kleines Land handeln.
  • In Kriegs- und Krisengebieten werden keine Projekte gestartet, da es nicht möglich ist dort ein Netzwerk zwischen den Familien aufzubauen.

Die Frauen bekommen 100€ und können sich damit eine eigene Existenz aufbauen. (Durch den Kauf von Tieren z. B. Ziegen, oder den Anbau von Pflanzen z. B. Tomaten.) Nach einem Jahr wird das Geld an andere Frauen aus dem Dorf weitergegeben. Dadurch entsteht ein Netzwerk.

Foto: Susanne im Sande; mit freundlicher Genehmigung
Foto: Susanne im Sande; mit freundlicher Genehmigung

Interview mit Susanne im Sande:

Wie kommen die Kinder mit Corona zurecht?

Es ist eine Katastrophe! Die Kinder waren länger als 12 Monate nicht in der Schule. Der Lockdown war dort länger und schlimmer. Auch mit der Mikrofinanzierung hat es in diesen Zeiten nicht gut funktioniert. Viele Familien konnten das Geld nicht weitergeben, da sie das Geld zum Überleben brauchten.“

Was bedeutet „Sharity“?

Dieses Wort kommt von Anneli-Sofia Räcker. Es leitet sich von dem Wort share (=teilen) ab. Es ist eine Lebenseinstellung. Im Gegensatz zu Charity wird den Menschen nicht einfach nur mit dem Geeld geholfen, sondern es wird mit den Menschen zusammengearbeitet.Man soll die Menschen nicht nach ihrem Geld und ihrem Habgut beurteilen.

Wir wollen weg von diesem Nehmer und Geber-Denken!“

Kümmert sich Ketaaketi nur um die Schulen?

Ketaaketi hat vier Standbeine:

  • die Mikrofinanzierung
  • die Schulbildung
  • die Gesundheit der Kinder
  • eine lebenswerte Heimat schaffen.“

Wir haben gelesen, dass es in Nepal eine Schulpflicht gibt und trotzdem nur 89% der Kinder eine Schule besuchen. Kontrolliert das keiner?

Nein, das wird nicht kontrolliert. Der Wert 89% ist allerdings schon eine positive Entwicklung. Außerdem gehen eher die Jungs zur Schule. Die Mädchen gehen häufig nur sehr kurz zur Schule und müssen dann zu Hause arbeiten, oder sie werden schon sehr früh verheiratet, um die finanzielle Unterstützung der anderen Familie zu bekommen.“

Waren sie selber schon in einem der drei Länder?

Ja, ich war schon mehrmals in Nepal.“

Schätzen sie nach Ihren Reisen nach Nepal die Möglichkeiten hier vor Ort mehr?

Das zu sehen wie es anderen Menschen geht macht einen einerseits sehr demütig und andererseits auch dankbar dafür, dass es uns so gut geht. Das ist eine große Ungerechtigkeit! Wir haben viel mehr Möglichkeiten und ein gutes Gesundheitssystem. Das Gesundheitssystem in Nepal ist sehr schlecht. Das zu sehen erweitert den Horizont!“

Die Website von Ketaaketi findet ihr unter

www.ketaaketi.de.

Wenn ihr den QR-Code scannt, gelangt ihr direkt zu dem neu angelegten Instagram-Account von Ketaaketi.

Ein Beitrag von Mia und Mara

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