Es ist ein schöner Herbst Nachmittag. Man sieht die Blätter von den Bäumen fallen. Die Sonne schimmert zwischen den Bäumen hervor. Es ist relativ kalt draußen und man wünscht sich direkt im Warmen zu sein und einen Kakao zu trinken. Die Halle ist relativ weit abgelegen. Auf dem Weg dorthin fühlt man sich ein bisschen unwohl. Wenn man in die Halle rein kommt, kommt einem direkt der Schweißgeruch entgegen. Man hört auf dem Weg zur Halle schon etwas Musik laufen und durch die großen Fenster sieht man schon die Leute ihre Übungen machen. Wenn man bei einem Training die Halle betritt, muss man diese angrüßen. Das bedeutet, dass man sich beim Eintreten einmal Verbeugt. Bevor das Training beginnt stellen sich alle Schüler der Reihe nach auf (die Personen mit dem höchsten Gurt stehen ganz rechts). Der Trainer steht ihnen gegenüber. Jetzt wird wieder angegrüßt. Das Verbeugen passiert am Anfang und am Ende jeder Übung. Es soll symbolisieren, dass man auch bei einem Kampf den Anderen respektiert. Wenn man die Halle angrüßt bedeutet das, dass man sich bedankt, dass man an dem Ort trainieren darf. Die Leute machen alle ihre Übungen und reden zwischendurch miteinander. Die ganze Zeit kommt immer mal wieder ein Schweißgeruch in die Nase. Das ist schon ein bisschen unangenehm, aber man gewöhnt sich daran. Nach ungefähr einer halben Stunde spielt der Trainer entspannende Musik. Das entspannt sehr, aber man fühlt sich dadurch etwas wie in einem Yoga oder Meditationssalon. Dann stoppt die Musik und alle fangen an Taekwondo zu machen.
Taekwondo ist ein koreanischer Kampfsport. Taekwondo kann man in drei verschiedenen Wörter aufteilen. Tae, Kwon und Do. Tae steht für alle Beintechniken also die ganzen Tritte, kwon steht für alle Armtechniken, wie z.B. die Faustschläge oder Blöcke. Und Do steht für den Geist, der dich auf deinem Weg begleiten soll. In diesem Sport kann man verschiedene Gürtel bekommen. Man startet mit dem weißen Gurt. Danach kommen der weißgelbe, der gelbe, der gelbgrüne, der grüne, der grünblaue, der blaue, der blaurote, der rote, der rotschwarze und zum Schluss der schwarze. Nach dem schwarzen Gürtel kommen noch neun weitere Dan. Jeder weitere Dan wird auf dem schwarzen Gürtel gekennzeichnet. Ein Dan zeichnet dich als „Taekwondomeister“ aus. Um einen Neuen Gurt zu erhalten, muss man eine Prüfung absolvieren. Dein Trainer entscheidet ob du bereit bist. Taekwondo entstand in den 1940er- und 1950er-Jahren in Korea aus einer Mischung koreanischer und japanischer Kampfkünste. Es entstand nach der japanischen Besetzung Koreas, bis 1945. Obwohl Korea eine lange Kampfkunst-Tradition hat, basiert Taekwondo hauptsächlich auf dem japanischen Karate und nicht auf alten koreanischen Kampfkünsten wie Taekgyeon.
Nach dem Ende der japanischen Besatzung Koreas, im Jahr 1945 begann die Entwicklung von Taekwondo. Die Grundlage für Taekwondo waren fünf Schulen, die „Kwan“ genannt. Zu den Gründern gehörten Lee Won-Kuk, Hwang Ki, Chun Sang-Sup, Yoon Byung-In und Ro Byung-Jik. Jede dieser Persönlichkeiten trug auf ihre Weise dazu bei, eine Schule zu gründen, die bestimmte Kampfkunsttechniken lehrte. Lee Won-Kuk unterrichtete in Seoul im Cheongdo-Kwan und Ro Byung-Jik eröffnete die Song Moo Kwan-Schule.
Die Halle ist innen komplett mit Holz umgeben. An jeder Ecke der Halle sind zwei schmale Fenster, die vom Boden bis zur Decke der Halle gehen. Die Fenster sind außen mit Gitterstäben umhüllt. Das macht, dass alles in der Halle irgendwie offener und größer wirkt. An den Seiten der Halle stehen viele Bänke, wo die Taschen der Leute stehen. Der Trainer steht an der Seite und geht zwischendurch zu den Schülern, um zu gucken wie sie etwas machen und gibt ihnen Tipps. Das finde ich toll, weil er so zeigt, dass er Interesse an den Schülern und deren Arbeit hat und nicht einfach nur Trainer ist.
Taekwondo besteht aus mehreren Bereichen. Ein Bereich sind Grundtechniken. Da stellen sich alle Schüler in eine Reihe. Die mit den höchsten Gurten stehen ganz rechts. Dann wird jedem eine oder eine Abfolge von Techniken genannt. Die Schwierigkeit hängt dabei von der Graduierung, also der Gürtelfarbe ab. Die Techniken werden immer auf Koreanisch vorgesagt. Bei den Armtechniken Unterscheidet man immer zwischen Blöcken, also Abwehrtechnicken, und Angrifftecknicken. Man läuft die ganze Zeit geradeaus, während man die Technik ausführt.
Bei der Kategorie Pratze muss man sich zu zweit zusammenschließen. Einer hält die Pratze, eine Art Kissen an dem man Tritte oder Schläge ausführt, und der andere übt daran die vorgegeben Techniken aus.
Der Einschrittkampf ist ein wenig komplizierter. Es stehen sich zwei Leute gegenüber mit ungefähr einer Armlänge Abstand. Die eine Person greift dann an. Das bedeutet aber nur, dass diese Person einen tiefen Schritt zurück macht und dabei einen Block auf dem vorderen Bein, der einer Faust ähnelt (area makki) ausführt. Gleichzeitig ruft man einen kurzen Kampfschrei (kihab), meistens ein „ha“, was den Angriff symbolisiert. Die andere Person Antwortet ebenfalls mit einem Kampfschrei. Dann geht es richtig los. Der Angreifer geht einen Schritt nach vorne und macht einen Faustschlag auf dem vorderen Bein. Gleichzeitig muss der Verteidiger einen Schritt zurück gehen. Beim Zurückgehen muss er die Faust, also die Angriffstechnik mit einem Block abwehren. Wie er das tut ist festgelegt. Für die ersten Gürtelfarben gibt es noch jeweils mehrere vorgegebene Techniken, die auswendig gelernt werden sollten. Das steht auf einer Karte, die Einschrittkampfprogramm genannt wird. Das Programm wird immer schwerer. Manchmal wird auch nicht mit einer Faust, sondern einem Tritt oder einer anderen Technik angegriffen. Ab dem blauen Gürtel muss man sich sein Einschrittkampfprogramm selber ausdenken.
Eine andere Kategorie, die Ebenfalls regelmäßig trainiert wird, ist Selbstverteidigung. Abgekürzt wird das Manchmal SV genannt. Wie der Name schon andeutet, werden hier Situationen geübt, die auch im Alltag passieren können und bei denen man sich wirklich verteidigen muss. Oft wird das auch zu zweit gemacht. Die eine Person ist wieder der Angreifer aber jetzt packt sie die andere Person z.B. an den Armen oder an den Schultern. Einem wird beigebracht, wie man sich in Notsituationen verhält. Bei höheren Graduierungen wird man sogar gewürgt oder in den Schwitzkasten genommen. Bei Schwarzgurten kämpft man sogar mit Stöckern oder stumpfen Messern. Dabei muss man aber spezielle Schutzwesten tragen und bei SV passt man natürlich immer auf, dass man keinen ernsthaft verletzt.
Es gibt den Bereich Poomsae im Taekwondo. Poomsae wird umgangssprachlich Formlauf genannt. Es gibt insgesamt 17 Formen. Eine Form besteht auf mehreren festgelegten Techniken, die man in verschiedene Richtungen ausführt. Man läuft geradeaus und nach links und rechts und führt immer unterschiedliche Übungen aus, aber wenn man es richtig macht, landet man am Ende wieder genau dort, wo man angefangen hat. Die erste Form braucht man erst ab Gelbgurt. Die Formen werden immer schwieriger, doch haben meistens ein ähnliches System. Wenn man eine Form läuft, dauert das meistens ungefähr eine Minute. Fortlaufend ist der Bereich, der auf Turnieren ausgeführt wird.
Der wahrscheinlich kleinste Teil, ist der Theorieteil. Bei einer Prüfung geht jede Person zum Prüfer und bekommt eine oder zwei Fragen gestellt. Die Fragen drehen sich meistens um Koreanische Worte. Du musst zum Beispiel sagen, wie bestimmte Techniken auf Koreanisch genannt werden, was das Wort Taekwondo bedeutet oder du musst auf Koreanisch bis zehn zählen.
Ab 15 darfst du schon den sogenannten Bruchtest durchführen. Das bedeutet, dass du mit einem Tritt oder Schlag deiner Wahl ein Holzbrett in zwei Teile schlagen musst. Die Dicke des Brettes hängt von Alter und Geschlecht ab.
In den 1950er Jahren kam es zu ersten Gesprächen über eine Vereinigung der verschiedenen Schulen. Dazu kam es, sie war aber nicht sehr stabil. Der Versuch, eine koreanische Kampfsportgemeinschaft zu schaffen, scheiterte erstmals, da verschiedene Leiter ihren eigenen Kampfstil durchdrücken wollten. Choi Hong-hi, ein koreanischer General, versuchte aber trotzdem, eine einheitliche Organisation zu schaffen. Choi hatte die Idee, den Kampfsport zu benennen, und entwickelte dafür im Jahr 1955 einen neuen Namen: Taekwondo, was „Weg des Fußes und der Faust“ bedeutet. Dieser Name wurde später von der südkoreanischen Regierung unterstützt und verbreitet.
In den 1960er Jahren gab es viele politische Unruhen, und Choi Hong-his hatte nicht mehr so viel Einfluss, nach einer Studentenrevolution im Jahr 1960. Gleichzeitig förderte Hwang Ki seine Kampfkunst. Er gründete die „Koreanische Subakdo-Vereinigung“ und versuchte, Taekwondo zu verdrängen. Doch dann kamen die nächsten Veränderungen. Im Jahr 1961 übernahm Park Chung-hee die Macht in Korea. Er wollte Ordnung ins Land bringen und auch die verschiedenen Kampfsportverbände besser organisieren. Die verschiedenen Kampfkünstler gründen eine neue Organisation: die Korean Taesudo Association (KTA). Man wählte den Namen „Taesudo“ als Mischung zwischen den verschiedenen Stilen. Trotz der Veränderung gab es immer noch viele Streitigkeiten. Choi Hong-hi kehrte 1965 nach Korea zurück und wurde zum Präsidenten der KTA gewählt. Kurz danach änderte er den Namen in „Taekwondo“ um und verbreitete diesen international. So kam Taekwondo auch nach Deutschland, wo 1967 die erste deutsche Taekwondo-Meisterschaft war.
Trotz seines Erfolgs in Korea kam Choi Hong-hi in Konflikte mit anderen Führern der KTA. Diese Streitigkeiten führten dazu, dass Choi 1966 seinen eigenen Verband gründete, die International Taekwon-Do Federation (ITF). Diese Organisation sollte Taekwondo in andere Länder bringen, und tatsächlich wurde sie schnell sehr bekannt. Die ITF hatte Mitglieder in vielen Ländern, zum Beispiel die USA, Deutschland, Italien und Vietnam. Choi Hong-hi wollte Taekwondo unbedingt weltweit verbreiten, also brachte er die Kampfkunst zu den US-Truppen, die zu dieser Zeit im Vietnamkrieg kämpften. Doch während die ITF international wuchs, gab es weiterhin Konflikte zwischen Choi und den koreanischen Behörden.
Draußen hinter der Halle ist eine Hundeplatz, wo viele Hunde Parcour laufen und Spielzeuge geworfen bekommen und dann wieder bringen müssen. „Wuffff“ plötzlich höre ich es bellen. Einer der Hunde steht am Fenster und guckt in die Halle.
Das finde ich sehr süß. Immer wieder mal laufen/rennen Hunde an dem Fenster vorbei und bellen zwischendurch.
Laute Stampfer tönen durch die Halle. Es gibt beim Teakwondo manche Übungen, bei welchen man etwas härter Stampfen muss. „Haaaaa“ tönt es.
Insgesamt ist Taekwondo etwas kompliziert, vor allem, wenn man es das erste Mal hört, aber es ist auch sehr interessant und wenn man es einmal versteht, kann es viel Spaß machen.
Eine Reportage von Nihla, Felia und Mina