Klimaneutrale Schule: Ein Interview

Die Oberschule Rockwinkel arbeitet momentan an einer klimaneutralen Schule doch, wie soll es funktionieren und was sagen die Experten dazu? Wir haben ein Interview mit Frau Bruck von Immobilen Bremen geführt. Sie ist verantwortlich für den Bereich Strategie und Bau.

Frau Bruck von Immobilien Bremen berichtet, dass sie bei dem Projekt zu den Solaranlagen, die zu einer klimaneutralen Schule verhelfen sollen, die volle Unterstützung liefert. Zudem ist es eine Grundlage, dass die Dachbeschaffenheit stabil ist, was an unserer Schule gegeben ist. Darum unterstützt Immobilien Bremen auch die Photovoltaikanlage auf unserem Dach. Zunächst würde die Planung zu den Solaranlagen noch länger dauern. Das Ingenieurbüro Pachaly ist ein sehr kompetenter Partner im Bereich der Planung von Photovoltaikanlagen.

Rockwinkeler Spickzettel: Aber das ist ja erst mal nur die Planung, wann soll denn endlich gebaut werden? Gibt es schon einen Zeitplan, wann klimaneutraler „Rocky-Strom“ ans Netz gehen kann?

Frau Bruck: Wir verstehen natürlich eure Position sehr gut. Klimaschutz kann nicht schnell genug gehen. Seid versichert, auch wir möchten die Anlage so schnell wie möglich realisieren. Allerdings gibt es leider, leider in der aktuellen Situation viele Hemmnisse. Durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise insgesamt ist die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen und vielen benötigten Komponenten stark angestiegen.

Rockwinkeler Spickzettel: Wir würden ja am liebsten mitmachen beim Aufbau!

Frau Bruck: Das wird leider schon aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich sein. Eure Sicherheit hat oberste Priorität und deshalb wird das ein Fachunternehmen durchführen. Wir können nicht einfach Schüler*innen auf einem Schuldach Solaranlagen montieren lassen. Undenkbar, wenn da etwas passieren würde!

Rockwinkeler Spickzettel: Wird der Strom direkt in der Schule verwendet oder wird der Strom in das Stromnetz eingespeist und später wieder entnommen?

Frau Bruck: Der Strom wird dann direkt in die Schule umgeleitet. Strom aus dem Netz kostet die Immobilien Bremen für eure Schule über 20 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und könnte wahrscheinlich sogar demnächst deutlich teurer werden. Jede kWh die durch eure Solaranlage ersetzt wird spart also nicht nur CO2- Emissionen, sondern auch bares Geld! Wir streben an, dass 50-60% des Stroms, den die Anlage produziert auch bei euch verbraucht werden. Der Rest geht dann ins Netz, und kann von anderen Verbrauchern genutzt werden. Dafür allerdings bekommt man zurzeit recht wenig Geld. 5-6cent pro kWh, mehr ist da nicht drin.

Rockwinkeler Spickzettel: Ist es auch sinnvoll „zu viel” produzierten Strom in Akkus zu speichern, um diesen dann in der Nacht oder an Tagen ohne Sonne zu nutzen?

Frau Bruck: Man könnte mit Batteriespeichern den Anteil selbst genutzten Solarstroms noch weiter erhöhen. Wirtschaftlich ist das momentan nicht möglich, es sind zudem auch Projekte am Laufen, dafür bräuchte es einen riesigen Speicher. Doch diese Fragen sind beim Planungsbüro Pachaly besser aufgehoben.

Rockwinkeler Spickzettel: Was wird die Solaranlage die Stadt Bremen in etwa kosten und wie viel Geld spart die Anlage der Stadt Bremen jedes Jahr?

Frau Bruck: Wir rechnen derzeit tatsächlich mit hohen Kosten. Aber wir investieren auch gerne in den Klimaschutz, weil wir darin die Zukunft sehen! Die Anlage auf eurem Dach wird der Stadt Bremen alles in allem wohl 280.000€ kosten. Die Anlage produziert jedes Jahr ca. 120.000 kWh. Umgerechnet kommt man auf ca. 16 Cent pro kWh über den Zeitraum von 20 Jahren (Bis sich die Kosten der Anlage wieder eingenommen wurden; Anmerkung der Redaktion). Im Einkauf kostet uns die kWh derzeit aber deutlich mehr als 20 Cent pro kWh!

Rockwinkeler Spickzettel: Wenn die Anlage fertig ist und in Betrieb kann, werden wir dann gar keinen, klimaschädlichen Strom mehr aus dem Netz brauchen?

Frau Bruck: Ohne Speicher wird das nicht möglich sein. Denn selbst mit Speicher würde es in den Wintermonaten vermutlich knapp werden, selbst mit der geplanten Größe der Anlage kann im Winter an Wochentagen euer Stromverbrauch in der Schule nicht gedeckt werden von der Solaranlage. Hier kommt meiner Meinung nach ihr Schüler*innen ins Spiel! Schafft Bewusstsein dafür an eurer Schule! Jedes Licht, was unnötig brennt, jeder Computer oder jedes Whiteboard, welche nach Unterrichtsschluss nicht direkt heruntergefahren sind, ist an Wintertagen ein echter “Klimakiller”.

Rockwinkeler Spickzettel: Klar, eine gute Idee! Aber unser Ziel ist es schon, komplett 100% klimaneutral zu werden als Schule, dafür müssen wir komplett auf fossile Energie verzichten. Wir geben dieses Ziel auch nicht auf, wir werden dafür kämpfen!

Frau Bruck: Und wir unterstützen das ja auch aus vollem Herzen! Aber manchmal gibt es eben, obwohl wir alle engagiert sind einfach technische und bürokratische Hindernisse, auf die wir keinen direkten Einfluss haben. Wir können nur unser Bestes dafür geben, uns dem Ziel zu nähern. Bitte bedenkt auch: Wir als Immobilien Bremen verwalten nicht nur euer Schulgebäude sondern alle staatlichen Schulgebäude und darüber hinaus noch viele andere Gebäude der Stadt somit sind unsere Ressourcen begrenzt. Und wir müssen auch überlegen, wo wir diese Ressourcen am effektivsten einsetzen, eure Schule ist relativ modern. Wir haben auch Schulen im Altbau, bei denen die Klimabilanz derzeit vorsichtig formuliert sehr optimierungsbedürftig ist. Hier kann eine energetische Sanierung zum Beispiel enorm viele Tonnen an CO2-Einsparungen bringen. Bitte habt Nachsicht, dass wir uns genau überlegen müssen, wo wir unsere begrenzten Mittel einsetzen.

Rockwinkeler Spickzettel: Natürlich bei uns! Denn wir wollen auch ein Leuchtturm sein, als erste echte (!) klimaneutrale Schule in Norddeutschland. Anderen zeigen wie es richtig geht und eine Debatte lostreten! Endlich ein Teil der Lösung sein und nicht ein Teil des Problems.

Frau Bruck: Und wir schätzen euer Engagement sehr. Wir möchten euch nun um Verständnis bitten, dass wir als Immobilien Bremen das Ziel des Klimaschutzes für alle Schulen und alle öffentlichen Gebäude im Blick haben. Auf jeden Fall hat die Photovoltaikanlage auf eurem Dach hohe Priorität und sie wird euch auf jeden Fall bilanziell eurem Ziel der Klimaneutralität ein ganzes Stück weiter bringen.

Rockwinkeler Spickzettel: Was bedeutet das denn, “bilanziell” ?

Frau Bruck: Die Strom-Bilanz eures Gebäudes ergibt sich aus der Menge an Strom, die ihr jährlich verbraucht im Verhältnis zu der Menge Strom die ihr jährlich auf eurem Dach durch die Solaranlage erzeugen könnt.

Rockwinkeler Spickzettel: Und wie sieht diese Bilanz dann aus? Können Sie schon abschätzen wie viel Strom unsere Anlage pro Jahr ungefähr produzieren wird?

Frau Bruck: Ja klar! Also zunächst mal: Wir planen 134.9 kWp (Kilowatt-Peak) maximale Leistung zu verbauen, das ist die Spitzenleistung, die eure Anlage unter optimalem Sonnenschein erbringen kann. Natürlich ist es im täglichen Betrieb weniger, abhängig von Wolken und dem Einstrahlungswinkel der Sonne usw. Theoretisch wäre auf dem Dach noch Platz für eine größere Anlage. Leider muss man aber ab 135 kWp ein anderes, kompliziertes Verfahren zum Netzanschluss durchlaufen, das auch weitere Kosten einbindet und länger dauert. Außerdem würden wir dann auch deutlich mehr Strom ins Netz einspeisen, aus wirtschaftlicher Sicht ist also eine Anlage mit maximal 134,9 kWp momentan am sinnvollsten.

Rockwinkeler Spickzettel: Entschuldigung das wir an dieser Stelle einmal nachhaken müssen. Warum gibt es in Bremen solche, mit Verlaub, mehr als fragwürdigen Gesetze, die den Ausbau von Solaranlagen bremsen?

Frau Bruck: Diese Gesetze kommen nicht aus Bremen. Das sind Bundesgesetze, die in Deutschland gelten. Natürlich hoffen wir da auf Lockerungen, andererseits müssen die Anlagen sicher sein und der Betrieb der Anlagen darf nicht das Stromnetz beeinträchtigen. Es gab jetzt im Herbst einen Regierungswechsel, wir hoffen schon dass sich dort für den Vorrang der Erneuerbaren Energien noch etwas tut.

Frau Bruck: Das ist wirklich sehr schade. Ehrlich gesagt leuchtet uns der Sinn solcher Restriktionen nicht wirklich ein. Wo soll denn der Unterschied sein, ob man eine Anlage 134,9kWp oder 180kWp groß baut?! Für unser Ziel “klimaneutral” ist das echt nicht so ein gutes Image! Können wir denn so überhaupt eine ausgeglichene Strom-Bilanz erreichen?

Frau Bruck: Also ausgeschlossen ist es nicht! Wir gehen davon aus, dass eure Anlage im Jahr 120.000 Kilowattstunden Sonnenstrom „ernten” wird. Euer jährlicher Stromverbrauch liegt bei ca. 130.000 kWh pro Jahr. Es wäre dann an euch Strom zu sparen wie die Weltmeister, dann könnt ihr zumindest was den Strom angeht auf jeden Fall bilanziell klimaneutral werden!

Rockwinkeler Spickzettel: Was kann man sich unter 120.000kWh überhaupt vorstellen? Strom für wie viele Einfamilienhäuser wären das zum Beispiel?

Frau Bruck: Das kann man sich ganz leicht ausrechnen. Typisch für 3-4 Personen ist in Deutschland 3000 kWh. Das wären dann 40 Familienhaushalte. Allerdings wird der Stromverbrauch in Zukunft ziemlich stark ansteigen, wenn die Menschen wirklich „ernst machen” mit Klimaschutz. Viele werden dann statt fossilen Öl- oder Gasheizungen elektrische Wärmepumpen installieren. Und die brauchen natürlich viel (erneuerbaren) Strom. Manche Familien schaffen sich vielleicht auch noch ein Elektroauto an. (Dann steigt der Stromverbrauch noch mal an.)

Rockwinkeler Spickzettel: Welche direkten Klimaschutz(-Wirkung) hat die Anlage (oder) wie könnten wir das ausrechnen?

Frau Bruck: Das ist recht kompliziert. Die Wirkung errechnet sich durch das eingesparte CO2 im direkten Vergleich mit dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß des deutschen Strommix. Der wiederum wird jährlich immer besser, wenn wir es schaffen mehr und mehr fossile Kraftwerke abzuschalten. Aber genau das ist das Ziel.

Rockwinkeler Spickzettel: Wir nutzen an unserer Schule fossiles Gasfür die Heizung. Das ist absolut nicht klimaneutral, und dagegen wollen wir etwas tun! Außerdem haben wir aus den Medien erfahren, dass mehr als die Hälfte dieses Gases aus Putins Russland kommt, mit all den Schrecklichkeiten, die damit zusammenhängen: Welche Möglichkeiten gibt es, dass wir in Zukunft eine klimaneutrale Heizung nutzen können?

Frau Bruck: Liebe Klima-AG. Fossiles Gas hat auch für uns langfristig keine Zukunft. Natürlich wollen wir Alternativen. Aber bei dem, was ihr da ansprecht, das nennen wir „Wärmewende”, das ist tatsächlich noch einmal eine Nummer schwieriger als die Solaranlage. Das heißt nicht, dass wir es nicht wollen. Zum einen den Einbau einer Wärmepumpe und zum anderen den Anschluss an das Fernwärmenetz. Wir geben ehrlich zu: Der Wärmepumpe als alleinigen Wärmeerzeuger stehen wir zumindest in eurem Schulgebäude derzeit noch eher skeptisch gegenüber. Es ist sehr kompliziert und es ist nicht klar, ob zum Beispiel die Heizkörper überhaupt reichen, wenn wir eine Wärmepumpe einbauen würden. Wir denken im Fall Oberschule Rockwinkel eher, dass perspektivisch ein Anschluss an das Fernwärmenetz erfolgen könnte. Das liegt wiederum aber im Verantwortungsbereich der Stadtwerke Bremen, SWB. An die SWB könntet ihr euch diesbezüglich auch wenden und mal nachfragen. Deswegen ist es im Wärmebereich noch einmal wichtiger, dass ihr als Schüler*innen spart wo ihr könnt. Hier gilt noch mehr: Die beste Kilowattstunde ist diejenige, die ihr einspart. Überlegt euch gemeinsam in den Klassen wie ihr das erreichen könnt, ob ihr zum Beispiel nach Unterrichtsschluss die Heizung hinunter dreht oder mit welcher Temperatur sich alle noch wohlfühlen, vielleicht mit einem schönen Pulli. Bei mir zuhause haben wir alle jetzt mal im Winter den dicken Pulli angezogen statt voll die Heizung aufzudrehen.

Rockwinkeler Spickzettel: Wir können als AG schon mal versprechen, dass wir an dem Thema Wärme ebenfalls dranbleiben werden und garantiert keine Ruhe geben, bis wir auch da eine wirklich klimaneutrale Lösung gefunden haben. Wir geben auch die Möglichkeit der Wärmepumpe noch nicht auf. Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt und freuen uns sehr über dieses total offene und herzliche Gespräch!

Frau Bruck: Und wir freuen uns sehr, an eurer Schule eine Photovoltaikanlage für den Klimaschutz zu projektieren!

von Lukas, Mio und Percy

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